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Erik Lindner und Alida Bremer am 22. Juni in der Stadtbücherei.
Autoren aus den Niederlanden und Belgien besichtigen Münster


Im nächsten Jahr werden internationale Künstler mit „Skulpturen“ auf den öffentlichen Raum reagieren, den Münster darstellt. Ein kleines literarisches Vorspiel zu dieser urbanen Kommunikation gibt es in diesem Frühsommer. Am Mittwoch, den 22 Juni präsentiert der Literaturverein Münster zwei Autoren, die sich in diesen Tagen und Wochen mit Münster beschäftigen. Die Lesung findet statt um 20 Uhr im Lesesaal der Stadtbücherei.

Ehrengäste der Frankfurter Buchmesse 2016 sind die Niederlande und Flandern. Das niederländisch-flämische Kulturzentrum „de Buren“ mit Sitz in Brüssel hat unter dem Titel „citybooks“ in Deutschland den Städten Köln, Leipzig, Karlsruhe und Münster ein Projekt angeboten, in dessen Rahmen ein niederländischer, ein flämischer Autor, ein Autor aus der betreffenden deutschen Stadt sowie ein Fotograf aus einem der besagten Länder sich mit der gastgebenden Stadt literarisch/künstlerisch auseinandersetzt. Dass Münster sich an diesem Projekt beteiligen konnte, ist einer großzügigen Unterstützung des Literaturvereins durch die Kulturstiftung der Sparkasse Münster zu verdanken. Der Literaturverein arbeitet bei diesem Projekt auch mit dem Institut für Niederländische Philologie zusammen.

Die entstandenen Arbeiten werden ins Deutsche, Niederländische und Englische übersetzt und zusammen mit den Fotografien im Internet veröffentlicht; auch eine Publikation in Buchform ist geplant. Im Herbst werden alle beteiligten Künstler ihre Ergebnisse auf einer gemeinsamen öffentlichen Veranstaltung in Münster präsentieren.

Die ausländischen Gäste halten sich 14 Tage in der Stadt auf und lassen sich von ihr und ihren Einrichtungen, ihrer Geschichte und ihren Bürgern inspirieren. In den letzten Wochen waren die niederländische Fotografin Sofie Knijff sowie die flämische Dichterin Carmien Michels zu Gast. Zur Zeit hält sich der niederländische Lyriker Erik Lindner in Münster auf. Die „einheimische“ Autorin ist Alida Bremer. Kurzfristig ist eine Doppellesung möglich geworden. Der in Den Haag geborene niederländischen Lyriker Erik Lindner liest aus seinem Gedichtband „Nach Akedia“, dessen „Sprachweltstoff“ von der Kritik gerühmt worden ist. Die in Split geborene, seit Jahrzehnten in Münster lebenden Alida Bremer („Olivas Garten“), die sich nicht nur als Autorin, Übersetzerin und Kuratorin einen Namen gemacht hat, wird Unveröffentlichtes lesen. Aber beide Autoren werden auch Einblicke in ihre Werkstatt gewähren, in der augenblicklich Bilder von Münster entstehen, auf die man gespannt sein darf.

Vorverkauf: ROSTA Buchladen, Aegidiistr. 12, 48143 Münster, Tel.: 0251/44926.



Manfred Sommer am 28. Juni im Theatertreff


Das Suchen, das Finden, das Sammeln – keinem Menschen dürften solche Aktivitäten und „Passivitäten“ fremd sein. Da kann es nicht schaden, wenn uns das Vertraute einmal wieder fremd gemacht wird. Der in Münster lebende Philosoph Manfred Sommer hat in bemerkenswert gründlichen Büchern sowohl über das Sammeln nachgedacht als auch über das Suchen und Finden. Jetzt legt er abermals eine scharfsinnige Studie über eine vermeintlich ganz einfache Sache vor. Am 28. Juni wird er um 20 Uhr im Theatertreff (Neubrückenstraße 63) aus seinem Buch lesen, dessen Titel eine banale Redewendung abzukürzen scheint: „Von der Bildfläche“. Indes – der Untertitel macht deutlich, dass es um Grundsätzliches geht: „Eine Archäologie der Lineatur“.

Manfred Sommer, Jahrgang 1945, war von 1974 bis 1982 Assistent des Münsteraner Philosophen Hans Blumenberg, war nach seiner Habilitation als Professor in Münster und Kiel tätig und hat nach seiner Emeritierung Kommunikationsdesighn an der Muthesius Kunsthochschule Kiel gelehrt. Sommer hat zahlreiche Schriften aus dem Nachlass von Hans Blumenberg herausgegeben. Was haben Dürers „Der Zeichner des liegenden Weibes“, ein Fenster in einem Büroturm und ein Poncho gemeinsam? Auf den ersten Blick so gut wie nichts, auf den zweiten jedoch etwas sehr Grundlegendes, das zudem allgegenwärtig ist: rechteckige Flächen. Unsere Welt ist voll von ihnen, aber weder die Natur noch unsere Einbildungskraft bringen sie hervor.

Ausgehend von der Bildfläche, dem unsichtbaren Grund, der es Farbe und Linie gestattet, zum Bild zu werden, erkundet Manfred Sommer diese so elementare wie diskrete Figuration und damit zusammenhängende Phänomene wie Grenze und Saum, Rand und Rahmen, Gitter und Karos, Raster und Pixel. Er beschreibt ihre Genese, die in der Jungsteinzeit beginnt: Rechteckig werden hier erstmals Felder gepflügt, später Häuser gebaut und Stoffe gewebt – und die Bilder wandern aus den Höhlen an die weißen Wände, um dort mit dem offenen Fenster um den schönsten Blick zu konkurrieren.

„Von der Bildfläche“ ist eine faszinierende Reise durch unsere so rechtwinklige wie „bildflache“ Welt, mit überraschenden Abzweigungen. Sie lehrt uns, eine lebensweltliche Selbstverständlichkeit neu zu sehen. Wie diese vermeintlichen Selbstverständlichkeiten wieder fremd werden, kann Manfred Sommer an einem Malerwettstreit in der Antike ebenso veranschaulichen wie an den Bayerischen Meisterschaften im Gespannpflügen. Er hat diese Beispiele gesucht und gefunden und gesammelt, und so ist auch in seinem neuen Buch etwas von der Genugtuung zu spüren, die der Schlusssatz seines Sammel-Buches ausdrückt: „Sammeln bedeutet, daß wir viele Dinge, die wir im Raum zerstreut vorfinden, so bewegen, daß sie nachher beieinander sind. Und wenn es uns Freude bereitet, sie zu betrachten, suchen wir zudem sie für immer beisammenzuhalten."


Vorverkauf: ROSTA Buchladen, Aegidiistr. 12, 48143 Münster, Tel.: 0251/44926.