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Friedhelm Rathjen am 18. Juli im LWL-Museum für Naturkunde
Befragt, warum er sich immer so komplizierten Büchern widme, antwortete er, schon als Kind habe er gar keine anderen gekannt: „Ich habe gedacht, Bücher sind so.“ Der 1958 geborene Friedhelm Rathjen gibt das Zentralorgan der Arno Schmidt-Leser heraus, den „Bargfelder Boten“, aber er weiß auch alles über die Beatles. Er hat als Literaturwissenschaftler Werke von James Joyce und Samuel Beckett analysiert, aber er ist auch immer wieder als eigenwilliger Übersetzer hervorgetreten. Er hat Robert Louis Stevenson und Mark Twain, Anthony Burgess und Charles Olson ins Deutsche übertragen. Und: Herman Melville. Seine Übersetzung des „Moby Dick“ ist sein übersetzerisches – und zugleich sprachschöpferisches – Hauptwerk. Aus ihm wird er auf Einladung des Literaturvereins Münster am Donnerstag, den 18. Juli um 19 Uhr 30 im LWL-Museum für Naturkunde (Sentruper Str. 285, 48161 Münster) lesen. Es ist eine Veranstaltung im Rahmen der Ausstellung: „Wale – Riesen der Meere“.Herman Melvilles grandioser Roman, den Rolf Vollmann als „das wunderbarste aller Bücher“ bezeichnet hat, ist mehrfach verfilmt worden, und er ist immer wieder übersetzt worden. Anders scheint man den großen „Walen“ der Weltliteratur – wie auch Tolstois „Anna Karenina“ oder Flauberts „Emma Bovary“ – nicht beikommen zu können.
Als im Jahr 2001 im Hanser-Verlag die Neuausgabe in der Übersetzung von Matthias Jendis erschien, war ihr eine zehnjährige Auseinandersetzung vorausgegangen. Friedhelm Rathjen, ursprünglich für die Übersetzung vorgesehen, war mit seiner Version beim Herausgeber auf Widerstand gestoßen und erkannte in der von Jendis lektorierten Fassung seine eigene Arbeit nicht wieder. Er stieg aus, fand aber in Norbert Wehr vom „Schreibheft“ einen neuen Herausgeber, und im Jahr 2004 brachte der Verlag „Zweitausendeins“ Rathjens „Moby Dick“ heraus – in einer bibliophilen Ausgabe mit den legendären Illustrationen von Rockwell Kent. Man habe ihm vorgeworfen, er sei der sturste Übersetzer Deutschlands, berichtet Rathjen in einem Interview, aber das fasse er als Kompliment auf: „Ich bin an diese Übersetzung rangegangen und war stur in dem Sinne, alles aus dem Text herauszuholen, was mir möglich war. Dazu ist aber etwas anderes erforderlich als Sturheit, nämlich eine gewaltige Flexibilität, Flexibilität wohlgemerkt nicht im Umgang mit dem Originaltext, Flexibilität im Umgang mit der deutschen Sprache. Ich tu der deutschen Sprache dann auch schon mal weh, das ist klar. Aber das hat Melville mit seiner englischen Sprache ja wohl auch gemacht.“ Jens Balzer hat in der Berliner Zeitung vom 23.12. 2004 das folgende Resümee gezogen: „Gerade in der Synopse mit Jendis, mit der ‚deutscheren’ und braveren, aber deswegen nicht weniger skrupulös und sprachgenau angefertigten Hanser-Version zeigt sich Rathjens ‚Moby-Dick’ im ganzen Glanz seines Muts; so fremd und nah, prächtig und monströs, so selbstwidersprüchlich schön und schön schwer zu lesen wie neben ihm nur das Original.“
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