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Felicitas Hoppe
Für ihr erstes Buch - Picknick der Friseure - bekam sie 1996 den aspekte-Literaturpreis, und für ihr letztes wurde sie Anfang dieses Jahres mit dem noch wichtigeren Bremer Literaturpreis ausgezeichnet. Und vor ein paar Wochen hat sie die ehrenvolle Berufung in die deutsche Akademie für Sprache und Dichtung erhalten: die 1960 in Hameln geborene Felicitas Hoppe. Am Donnerstag, den 14. Juni wird die weitgereiste und vielübersetzte Autorin um 20 Uhr im Lesesaal der Stadtbücherei aus ihrem buchstäblich legendären Roman Johanna lesen. Bei der Preisverleihung in Bremen hat sie sich auf die Bremer Stadtmusikanten berufen und den Schlußsatz dieses Märchens gegen den Tod zitiert: Und der das erzählt hat, dem ist der Mund noch warm.Ein mundwarmes Buch ist auch ihr Roman über Johanna von Orleans, das Bauernmädchen, das im 15. Jahrhundert Geschichte gemacht hat, auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde und später heiliggesprochen worden ist. Nein, kein Roman über, und schon gar kein historischer, vielmehr eine beherzte wie beschwingte literarische Phantasie: Jeanne, Jehanne, Johanna von Tarc, wie einfach deine Geschichte ist ( ), erst der Sieg, dann die Niederlage. Vom Schaf zum Schafott, das ist ja nur eine Silbe, ein Wind, der sich dreht, kurz wie ein französisches Mädchen, das sich eines Tages die Haare abschneidet und entschlossen die Puddingschüssel vom Tisch nimmt, ist ja sonst kein Helm da. Man muss sich eben zu helfen wissen. Hundert Jahre Krieg, eine Not, die Kinder erfinderisch macht.
Vordergründig ist der Roman die Geschichte dreier Johanna-Vernarrter, der Ich-Erzählerin, die über Johanna arbeitet und manchmal ganz in Johanna aufgeht und/aber vor dem Examen steht, eines Professors namens Peitsche, der dem Rätsel dieser Johanna mit beinah animistischen Methoden beizukommen versucht , und eines weiteren Gelehrten, der für dynastische Irrungen und Wirrungen zuständig ist. Wie nah - hintergründig - die Autorin der Ich-Erzählerin steht, wird in einer Nachbemerkung deutlich, in der Felicitas Hoppe wortwörtlich ihre eigene Figur zitiert, sich aber bei dem wirklichen Ossip Mandelstam bedankt für die Angst, die sie jederzeit bei der Hand nehme und führe: Wenn die Angst bei mir ist, habe ich keine Angst. Im letzten Kapitel legt sie die Moral von der Geschichte einem Bruder Martin in den Mund: Kinder, das dürft ihr niemals vergessen, versprecht mir, dass ihr das niemals vergesst, die zwei einfachsten Dinge des schwierigen Lebens: Zieht niemals den Kopf ein, und dreht euch nicht um! Ganz egal wer hinter euch steht. Sagt nicht Bescheid! Kein Wort und kein Abschied.


