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Sibylle Lewitscharoff

Ihr erstes Buch ist in Münsters erschienen: Unter dem Titel „36 Gerechte“ hat der Münsteraner Galerist Klaus Steinrötter im Jahr 1994 einen bibliophilen Band herausgebracht, bei dem man nicht wusste, was man mehr bewundern sollte: die bizarrtesten Scherenschnitte oder die eigensinnlichsten Prosastücke. Am Mittwoch, den 22. April wird um 20 Uhr im Lesesaal der Stadtbücherei Sibylle Lewitscharoff aus ihrem neuen Buch lesen, das vor ein paar Wochen mit dem „wirkungsvollen“ Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet und bereits enthusiastisch rezensiert worden ist: „Apostoloff“.

Sibylle Lewitscharoff – 1954 in Stuttgart geboren als Tochter eines bulgarischen Vaters und einer deutschen Mutter, heute in Berlin lebend – erzählt in ihrem neuen Roman die autobiographisch schattierte Geschichte einer Reise zweier Schwestern durch Bulgarien. Im ersten Teil ihrer Tour hatten die beiden Frauen zu einem pompösen Limousinenkonvoi gehört, der die Leichen von 19 Exilbulgaren in ihre Heimat überführte – darunter ihren Vater, der durch Selbstmord aus dem Leben geschieden war. Im zweiten Teil kutschiert sie ein Ruben Apostoloff durch sein Land, das „Vater-Land“ der beiden Schwestern. Und diese Reise entwickelt sich zu einer flammend unversöhnlichen Abrechnung sowohl mit dem Vater als auch mit dem heutigen Bulgarien. Als es dann an die Rückreise geht, kommt es zu einer surrealen Wiederbegegnung. Auf der Überholspur schiebt sich an dem Auto, in dem die Schwestern sitzen, ein Geländewagen vorbei, am Steuer der Vater, neben ihm die Mutter - und im Fond, „regungslos und wie gemalt“, die beiden Töchter: „Ich aber bewahre kühlen Mut. Immerhin habe ich es geschafft, länger zu leben als der Vater und ein freundlicheres Leben zu führen als die Mutter. Nicht die Liebe vermag die Toten in Schach zu halten, denke ich, nur ein gutmütig gepflegter Haß.“ Aber damit ist noch nichts gesagt über das atemberaubende sprachschöpferische Kunstwerk, das Sibylle Lewitscharoff „vollbracht“ hat(um auf ihren vorletzten Roman „Consummatus“ anzuspielen). Der mit allen Nabokov-Wassern gewaschene Michael Maar kommt im „Rheinischen Merkur“ zu dem Ergebnis, der Roman sei ein Geschenk an die Weltliteratur, ein Buch, das überleben werde, selbst wenn der bulgarische Markt noch Scherereien verspreche.