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Petra Morsbach

Der Literaturverein Münster eröffnet sein diesjähriges Jahresprogramm mit einer Veranstaltung, die facettenreich einführt in die hohe Kunst des Lesens. Am Dienstag, den 6. Februar wird Petra Morsbach um 20 Uhr im Haus der Niederlande aus ihrem neuen Buch lesen: „Warum Fräulein Laura freundlich war. Über die Wahrheit des Erzählens.“ Der Autorin ist für dieses Buch soeben der renommierte Literaturpreis der Adenauer-Stiftung zuerkannt worden.

Die 1956 in Zürich geborene, heute am Starnberger See lebende Autorin hat für ihre Romane „Plötzlich ist es Abend“ (1995), den „Opernroman“ (1998), die „Geschichte mit Pferden“ (2001) und „Gottesdiener" (2004) bei Kritik und Publikum viel Anerkennung gefunden. Jetzt legt sie ihren ersten Essayband vor. Petra Morsbach fragt nach der Wahrheit des Erzählens, der Wahrheit der Sprache: „Was macht unsere Sprache mit uns? (…) Warum hat es eine solche Bedeutung, wie wir unsere Erlebnisse erzählen, obwohl wir doch scheinbar reden können, wie's uns passt? Nehmen wir mehr wahr, als wir wahr haben möchten?“ Fragen wie diese stellt Petra Morsbach nicht nur sich selbst und uns Lesern, sondern auch den Autoren dreier prominenter Prosawerke der Nachkriegsliteratur. Es sind Alfred Andersch mit seiner Erzählung „Der Vater eines Mörders“, Marcel Reich-Ranicki mit seiner Autobiographie „Mein Leben“ sowie Günter Grass mit seinem Roman „Die Blechtrommel“.

Das Buch hat zwei Teile, einen theoretische und einen praktischen. Am Ende des ersten Teils stellt Petra Morsbach fest: „(Die Sprache) zeigt uns, wie wir sind. Das ist für mich das Faszinierende: diese nicht auszuschaltende und nicht zu berechnende Wahrheit der Sprache, die weder dem Mächtigen gehört, noch dem Markt, noch der Eitelkeit, noch der Selbstsucht.“ Im zweiten Teil geht Petra Morsbach mit einer atemberaubenden, einer geradezu visionären Genauigkeit durch jene drei Bücher, die durch die Bestsellerehren, die ihnen allen zuteil wurden, fast schon unsichtbar geworden sind. So ist es verblüffend, wie feinfühlig Petra Morsbach das Erzählen etwa von Günter Grass „durchschaut“ – und das bereits zu einem Zeitpunkt, bevor der Nobelpreisträger seine SS-Zugehörigkeit bekannt hat. Offenbar gibt es eine Wahrheit des Erzählens, die mehr zu wissen scheint als der Erzähler selbst: „Nicht, daß er die Wahrheit verschleiert, ist das Frappierende, sondern daß er sich selbst des Verschleierns überführt.“