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Burkhard Spinnen
Literaturwissenschaftler, Dozent, Juror, Herausgeber, Essayist, Kolumnist, Erzähler: Der Münsteraner Autor Burkhard Spinnen hat sich in den letzten anderthalb Jahrzehnten zu einer markanten Stimme im deutschen Literatur- und Kulturbetrieb entwickelt. Die letzten Publikationen des vielfach ausgezeichneten Autors mögen anzeigen, wie weit sich Spinnens literarische Interessen erstrecken. Wie ich es sehe, so heißt eine Sammlung von Prosaminiaturen des österreichischen Dichters Peter Altenberg, die mit einem Nachwort von Burkhard Spinnen soeben in der Manesse Bibliothek der Weltliteratur neu erschienen sind; unter dem Titel Kram und Würde hat Spinnen vor einem Jahr seine eigenen Feuilletons und Glossen herausgegeben, die sich durchaus auch außerliterarischen Themen widmen - wie dem Fußball oder der Eisenbahn.In diesem Herbst (2007) nun erscheint sein dritter Roman. Nach Langer Samstag (1995) und dem Jugendroman Belgische Riesen(2000) ist Mehrkampf mit fast 400 Seiten sein erster großer Roman. Es ist die Geschichte zweier Männer, die durch einen bizarren Anlass zunächst _zueinander_ kommen: Der eine wird angeschossen, und der andere nimmt die Ermittlungen auf. Bei den olympischen Spielen 1984 ist es der an der Spitze der Weltrangliste stehende Zehnkämpfer Roland Farwick, der beim Weitsprung übertritt - was ihn nicht nur die Medaille, sondern auch seine Karriere kostet. Zwanzig Jahre später wird er angeschossen, und sein Leben wird noch einmal durchgerüttelt. Der ermittelnde Hauptkommissar Ludger Grambach ist einer der Millionen, die Zeugen von Farwicks Schicksal gewesen waren. Es stellt sich heraus, dass seine eigene Geschichte als gescheitertes Genie mit der des Zehnkämpfers eng verknüpft ist. Was indes der Beginn einer großen Freundschaft hätte werden können, entwickelt sich zu einem Duell, das sich auf zwei Ebenen anspielt: an der Oberfläche der Ermittlungsarbeit und in den Tiefen eines Internetspiels. All das, was vor zwanzig Jahren aufgeschoben wurde, muss jetzt endlich ausgetragen werden. Der Romantitel bekommt eine existentielle Dimension. Mehrkampf ist zugleich ein spannender Kriminalroman und ein parabolisches Lehrstück, es vollzieht sich in 9 Akten von dem Mittwoch der einen bis zum Donnerstag der anderen Woche - und besteht fast nur aus geheimnisvollen Hauptsätzen: Grambach erwacht durch ein Geräusch im Flur.


