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Eva Menasse

Mit dem Buch "Der Holocaust vor Gericht. Der Prozeß um David Irving" (2004) machte sie sich einen Namen, die 1970 in Wien geborene Journalistin Eva Menasse. In diesem Frühjahr nun hat sie einen Roman vorgelegt, dem sofort die Ehre zuteil geworden ist, als Vorabdruck in der F.A.Z. abgedruckt zu werden: "Vienna".
Es ist die bis in die 30er Jahre des letzten Jahrhunderts zurückreichende Geschichte einer jüdischen Familie, ein temperamentvoll erzähltes Panoptikum aus prägnanten Figuren und tragikomischen Episoden, eine faszinierende Kette aus Anekdoten und Porträts.

Eva Menasse erzählt von den weltweiten und welthaltigen Schicksalen ihrer Familie, deren Mitglieder aus Wien vertrieben und nach Wien zurückgekehrt sind und insofern seinen Titel "Vienna" zu recht trägt. Aber es ist weit mehr als ein Wien-Buch, vielmehr eine Familiengeschichte, in der sich exemplarisch die jüdische Identitätsproblematik und fast ein Jahrhundert Zeitgeschichte spiegelt.
Die Kinder eines Wiener Juden und einer mährischen Katholikin verschlägt es auf der Flucht vor den Nazis in die unheimatliche Welt. Während der eine Sohn in England Fußballer wird und der andere sich im Dschungel von Burma als Soldat durchschlägt, geht die schöne Schwester Katzi in Kanada verloren - womit nur ein paar der zentrifugalen und dann wieder zentripedalen Entwicklungslinien des Romans angedeutet sind.

Seine Unterhaltsamheit gewinnt der Roman aus den hinreißend genauen Blick auf das charakterologische Detail - etwa die von Adolf "Dolly" Königsberger, genannt Onkel Königsbee. Dieser ist ein Sprachfex mit einer Vorliebe für Fremdwörter und Wortverfremdungen, doch wenn er "Das ist nicht meine Domäne" verwandelt in den Satz "Das ist nicht meine Dämone", dann wird noch das Wortspiel durchsichtig für Abgründiges.

Der Anfang des Romans schlägt das Thema und das Temperament, die Methode und die Moral von Eva Menasses Roman an: "Mein Vater war eine Sturzgeburt. Er und ein Pelzmantel wurden Opfer der Bridgeleidenschaft meiner Großmutter, die obwohl die Wehen einsetzten, unbedingt noch die Partie fertigsspielen musste. Bis auf ein einziges dramatisches Mal hat meine Großmutter alle Partien ihres Lebens fertiggespielt, denn eine Partie in ihrer Mitte anzubrechen war unzumutbar." - und nach mehr als vierhundert Seiten kehrt Eva Menasse zu jenem Anfangssatz: "Weißt Du was?", heißt es da: "Mein Sohn war eine Sturzgeburt."