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Angela Steidele
»Am besten vergleichst Du uns ein paar Leuten, die sich spät finden und dann einander heiraten. Stürbe sie – so spräng ich jetzt in den Rhein, denn ich könnte nicht ohne sie bestehen«, so – zum Äußersten bereit – erklärt Adele Schopenhauer ihrer Freundin Ottilie von Goethe das, was sie mit Sibylle Mertens-Schaaffhausen verbindet. Die Geschichte dieser leidenschaftlichen Beziehung hat die 1968 geborene Angela Steidele erzählt. In Zusammenarbeit mit der Kunststiftung NRW hat der Literaturverein die Autorin zu einer Lesung nach Münster eingeladen. Am Donnerstag, den 8. Juli 2010 wird sie um 20 Uhr im Lesesaal der Stadtbücherei aus der „Geschichte einer Liebe“ lesen, einem Buch, das nicht nur ein neues Kapitel der Kulturgeschichte des frühen 19. Jahrhunderts schreibt, sondern auch ein neues Licht wirft auf „unsere“(?) Annette von Droste-Hülshoff. Dass es das kann, ist einem glücklichen Umstand zu verdanken. Angela Steidele hatte, als das Historische Archiv der Stadt Köln einstürzte, alle für sie wichtigen Quellen bereits ausgewertet, so dass die Katastrophe sie nur noch am Korrekturlesen der Zitate hindern konnte. Adele Schopenhauer – Schriftstellerin, Künstlerin, die Schwester des Philosophen Arthur Schopenhauer – und die »Rheingräfin« Sibylle Mertens-Schaaffhausen, eine der gebildetsten Frauen ihrer Zeit, Musikerin, Komponistin, Archäologin, Antikensammlerin und Mäzenin, deren Salons in Bonn und Rom berühmt waren: In einer schwerelosen Verschränkung von Erzählung und Zitat vergegenwärtigt Angela Steidele eine erotische Beziehung, die nicht nur von dem Ehemann und den sechs Kindern der einen „bedroht“ wird, sondern auch von dem Hang der anderen, neue Eroberungen zu machen. Eine solche Eroberung ist Annette von Droste-Hülshoff, und es scheint nicht ganz abwegig, die Liebesgeschichte auch als eine komplexe Dreiecksgeschichte zu betrachten; Angela Steidele bringt in ihrem Buch die „unverbrauchtesten“ Zitate von der Droste und über die Droste. Aber kaum weniger interessant als die biographischen.Details sind die neuen Facetten, die sich aus ihnen für das literarische Werk der Annette von Droste-Hülshoff ergeben. Angela Steidele liest zum Beispiel das oft als Gruselballade missverstandene Gedicht „Das Fräulein von Rodenschild“ als eine kunstvoll verschlüsselte Auskunft über den „prekären Stand der Frauenliebe in der Gesellschaft“. Die „Süddeutschen Zeitung“ bescheinigt Angela Steidele, sie enthülle vor dem staunenden Leser eine Welt, von deren Vielgestaltigkeit er nichts geahnt habe: „Hier lernt man das klassische, das biedermeierliche Deutschland neu kennen und man erkennt auch die Gewalten, die es unterminierten.“
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