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Ulrich Peltzer

Monatelang hat sein Roman auf den vorderen Plätzen der von 30 namhaften Kritikern bestellten Bestenliste gestanden. Er ist nominiert worden für den Deutschen Buchpreis, der auf der kommenden Leipziger Buchmesse verliehen wird. Und soeben hat er den Literaturpreis der Stadtsparkasse Düsseldorf erhalten: Am Donnerstag, den 28. Februar wird um 20 Uhr im Haus der Niederlande (Krameramtshaus, Alter Steinweg 6/7) Ulrich Peltzer aus seinem Roman „Teil der Lösung“ lesen.
Der 1956 in Krefeld geborene Autor hat sich spätestens mit diesem Buch in die vorderste Reihe der deutschen Gegenwartsliteratur geschrieben, wobei die Betonung auf Gegenwart liegt. Der Plot des Romans lässt sich mit wenigen Worten umreißen, aber die einzelnen Elemente dieses Plots lassen ahnen, dass es nicht nur der Stoff ist, dem Peltzers Aufmerksamkeit gilt.
Jahrhundertsommer 2003. Christian Eich, Mitte dreißig, ist freier Journalist, der sich mehr schlecht als recht von Job zu Job hangelt. Er arbeitet gerade an einem Roman und recherchiert für eine Reportage über in Frankreich untergetauchte Ex-Mitglieder der italienischen Roten Brigaden. Nele Fridrich, 23, arbeitet an einer Dissertation über Jean Paul - und ist Mitglied in einer kleinen Aktivisten-Gruppe, die in clownesken Aktionen gegen öffentliche Einrichtungen den politischen Widerstand probt, etwa den Protest gegen die zunehmende Video-Überwachung und gegen politische Gipfeltreffen. Während sich zwischen Christian und Nele eine Liebesbeziehung entwickelt, setzt sich der Staatsschutz auf die Spur von Neles Widerstandsgruppe.
In gewisser lässt sich „Teil der Lösung“ als eine Auseinandersetzung mit dem ersten großen deutschen Roman lesen, der ebenfalls eine Stadt zu seinem eigentlichen Helden gemacht hat: Alfred Döblins im Jahr 1929 erschienener „Berlin Alexanderplatz“. Nur dass es jetzt nicht der Alexanderplatz ist, sondern – sozusagen – das „Sony Center“ am Potsdamer Platz, wie es sich auf den Monitoren der Überwachungskameras zeigt: voll von Menschen, die ihrerseits ihre (Handy-)Kameras gezückt haben.
Vor ein paar Wochen hat Ulrich Peltzer in Berlin an einer Veranstaltung teilgenommen, die sich – in einem Gespräch zwischen Kritikern und Schriftstellern – der Frage widmete: „Wird die Literatur wieder politisch?“ Die „Spannung“ zwischen dem Protest gegen den Überwachungsstaat und einer Doktorarbeit über Jean Paul zeigt sinnbildlich, dass es Peltzer nicht um politische Meinung geht, sondern um ein ästhetisches Programm. Die „Zeit“ hat Peltzers Beitrag zur aktuellen Debatte so zusammengefasst: „Null Einverständnis mit dem Götzenkult des Marktes, den bis an die Zähne bewachten Konsumtempeln und Headquarters der Macht, den Schluchten und toten Winkeln des coolen Berlins, dessen labyrinthische Topografie der Autor akribisch entfaltet und wo die fabrizierte gleißende Dingwelt längst einen Eigensinn behauptet, der den Individuen nicht mehr vergönnt ist.“
Toll, wie Ulrich Peltzer Geistesgegenwärtigkeit und Reaktionsschnelligkeit so miteinander verbindet, dass nie die Befürchtung aufkommt, Literatur könne dem, was ihr droht, nicht gewachsen sein.