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Dževad Karahasan

Im Rahmen der durch die Stiftung der Sparkasse Münsterland Ost geförderten und von Münster Marketing organisierten Veranstaltungsreihe „Münster 1648: Dialoge zum Frieden“ und im unmittelbaren Vorfeld der Verleihung des Westfälischen Friedenspreises an Daniel Barenboim stellt der Literaturverein Münster einen Autor vor, dessen Leben und Werk für den thematischen Zusammenhang von Stadt und Verständigung stehen. Am Donnerstag, den 28. Oktober wird Dževad Karahasan um 20 Uhr im Lesesaal der Stadtbücherei aus seinem neuen Essayband „Die Schatten der Städte“ lesen.

Dževad Karahasan, beheimatet in den literarischen Traditionen der antiken, der islamischen und der christlichen Welt, ist Erzähler, Dramatiker und Essayist. Geboren 1953 in Duvno (Bosnien-Herzegowina), lebt er heute in Graz und Sarajevo. Die Belagerung Sarajevos war Thema seines in zehn Sprachen übersetzten „Tagebuchs der Aussiedlung„ und seiner Romane „Sara und Serafina“ und „Scharijârs Ring“. Sein Werk wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet; für „Das Buch der Gärten„ erhielt Karahasan 2004 den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung. Sein neuester Essayband „Die Schatten der Städte" reflektiert eine Literatur, die in den vielsprachigen, oft von ungleichzeitigen Kulturen geprägten Metropolen zu Hause ist. In der zweiten Abteilung dieses Bandes finden sich drei Essays, die exemplarisch zeigen, wie eine Stadt erzählt – und gelesen werden kann: „Das Erzählen und die Stadt“, „Sarajevo erzählen“ und „Mein Sarajevo erzählen“. Den Zusammenhang zwischen Stadt und Erzählung begründet Karahasan so: „Das Grundmotiv der Erzählung ist die Begegnung. Erzählen ist Rede über einen anderen, die literarische Form, in der das sprechende Subjekt die Erfahrung seiner Begegnung artikuliert, seine Konfrontation mit einem anderen Menschen, einer anderen Existenzform, einer anderen Welt oder dem anderen Geschlecht, anderem Denken, Fühlen …“

In einer Stadt, die ihr Selbstverständnis seit ihrem Stadtjubiläum 1993 auch in der Chillida-Skulptur „Toleranz durch Dialog“ und dem ihr zugeordneten Ginkgo-Baum verkörpert sieht, verdient das Werk von Dževad Karahasan also besondere Aufmerksamkeit. Die Neue Zürcher Zeitung über die „Schatten der Städte“:„Spiel ist erlaubt, Augenwischerei verpönt. In seiner bescheidenen Gründlichkeit bewirkt Karahasan nichts Geringeres, als dass dem Leser bei der Lektüre die Augen aufgehen.“
Die in Münster lebende langjährige Übersetzerin Karahasans, Katharina Wolf-Grießhaber, wird anwesend sein.